Neue Singvogelarten in Bolivien nach jahrzehntelanger Fehlidentifizierung bestätigt

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Sechzig Jahre lang blieb ein kleiner, olivgrüner Singvogel, der in den überfluteten Savannen Boliviens lebte, ein Rätsel. Ursprünglich als regionale Variation des bekannten Hylophilus -Grünlings abgetan, haben neuere genetische und Verhaltensanalysen ihn definitiv als eigenständige Art bestätigt: Hylophilus moxensis oder der Beni-Grünling. Diese Entdeckung erweitert nicht nur die bereits bemerkenswerte Vogelartenvielfalt Südamerikas, sondern verdeutlicht auch, wie viel Unbekanntes selbst innerhalb gut untersuchter Vogelfamilien bleibt.

Der lange Weg zur Anerkennung

Die Geschichte des Beni-Grünlings begann im Jahr 1960, als Ornithologen erstmals Unterschiede in der Vogelpopulation in den Beni-Savannen Boliviens beobachteten, einem einzigartigen Feuchtgebietsökosystem, das als Llanos de Moxos bekannt ist. Jahrzehntelang ging man davon aus, dass es sich bei diesen Vögeln um isolierte Populationen der in Brasilien vorkommenden Rotkopf- (Hylophilus poicilotis ) und Grauaugen-Grünlinge (Hylophilus amaurocephalus ) handelte. Die subtilen Unterschiede im Aussehen – meist Grün-, Grau-, Gelb- und Brauntöne – erschwerten eine genaue Klassifizierung mit herkömmlichen Methoden.

Der Wendepunkt kam, als Forscher unter der Leitung von Dr. Paul van Els vom Museo Nacional de Historia Natural de la Paz mitochondriale und nukleare Gene analysierten. Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Beni-Population unterschied sich vor etwa 6,6 Millionen Jahren von ihren brasilianischen Verwandten, also mehr als drei Millionen Jahre vor der Spaltung zwischen den beiden zuvor bekannten Arten. Dies macht den Beni-Grünling zu einem eigenständigen Evolutionszweig innerhalb der Gattung Hylophilus.

Unterscheidungsmerkmale: Jenseits der Genetik

Genetische Daten allein reichten nicht aus. Eine detaillierte Analyse der physischen Merkmale und Lautäußerungen festigte den Status des Beni-Grünlings als eigenständige Art weiter. Im Gegensatz zu seinen Verwandten H. moxensis fehlt die schwarze oder braune Zeichnung auf den Ohrdecken. Es hat auch einheitlich dunkelbraune Augen und produziert einen einzigartigen Gesang, der ausgeprägte „V-förmige Töne“ mit harmonischen Elementen enthält, die denen weiblicher grauäugiger Grünlinge ähneln – eine Kombination, die bei anderen Arten nicht zu sehen ist.

Diese subtilen Unterschiede, die einst übersehen wurden, definieren nun eine neue Art. Die Bedeutung einer detaillierten Untersuchung kann nicht unterschätzt werden. Viele Vögel sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, aber genetische Analysen können tiefgreifende evolutionäre Divergenzen aufdecken, die sonst unbemerkt bleiben würden.

Naturschutzbedenken: Ein fragiles Ökosystem

Während die Forscher derzeit davon ausgehen, dass der Beni-Grünling nicht unmittelbar bedroht ist, warnen sie, dass großflächige landwirtschaftliche Verbrennungen ein erhebliches Risiko für die Artenvielfalt in der Region darstellen. Die Llanos de Moxos sind zunehmend anfällig für die Abholzung von Wäldern für Ackerland, was den Lebensraum dieser neu entdeckten Art schnell dezimieren könnte.

„Die Anerkennung von Hylophilus moxensis als zusätzliches endemisches Taxon in der Region sollte die Bemühungen zur Priorisierung des Naturschutzes vorantreiben“, schrieben die Autoren. „Das grassierende Abbrennen für die großflächige Landwirtschaft ist in der Region ein akutes Problem für die Artenvielfalt.“

Trotz des derzeit weit verbreiteten Lebensraums deuten die relativ wenigen aufgezeichneten Sichtungen der Art darauf hin, dass sie lokalisiert sein könnte, was sie möglicherweise anfälliger macht als zunächst angenommen.

Die Entdeckung unterstreicht die Dringlichkeit des Schutzes dieses fragilen Ökosystems. Das Beni-Greenlet erinnert daran, dass selbst in gut untersuchten Regionen eine verborgene Artenvielfalt fortbesteht und ihr Schicksal von proaktiven Erhaltungsbemühungen abhängt.

Die Forschung des Teams wurde am 1. Januar 2026 in Avian Systematics veröffentlicht.