Erste medizinische Evakuierung von der ISS: Was sie über die Gesundheitsversorgung im Weltraum verrät

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Zum ersten Mal in einem Vierteljahrhundert ununterbrochener menschlicher Anwesenheit an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) wurde ein Astronaut aufgrund eines medizinischen Problems dringend zur Erde zurückgebracht. Die Crew-11-Mission endete Anfang Januar 2026, als eine SpaceX-Dragon-Kapsel die vier Astronauten nach Hause brachte. Auch wenn die NASA die Einzelheiten zum Schutz der Privatsphäre nicht bekannt gegeben hat, unterstreicht dieses Ereignis die Komplexität der Aufrechterhaltung der Gesundheit der Besatzung in der extremen Umgebung des Weltraums.

Der strenge Auswahl- und Überwachungsprozess

Astronauten melden sich nicht einfach freiwillig für Weltraummissionen; Sie werden vor der Auswahl einer umfassenden medizinischen Untersuchung unterzogen. Die Kandidaten werden auf Vorerkrankungen untersucht, die sich in der Schwerelosigkeit verschlimmern könnten, und ihre psychische Belastbarkeit wird sorgfältig bewertet. Während ihrer gesamten Karriere stehen Astronauten unter ständiger medizinischer Überwachung, um sicherzustellen, dass auftretende Gesundheitsrisiken frühzeitig erkannt werden. Dennoch sind medizinische Notfälle – statistisch etwa alle drei Jahre zu erwarten – in der Praxis nach wie vor relativ selten.

Die Rolle der Besatzungsärzte und der Unterstützung an Bord

Bei jeder ISS-Mission gibt es einen engagierten Crew Medical Officer (CMO), häufig einen Arzt oder jemanden mit umfassender Ausbildung in Weltraummedizin. Dieses Personal kann grundlegende Diagnosen durchführen, Medikamente verabreichen und telemedizinische Konsultationen mit Spezialisten auf der Erde durchführen. Diese Fähigkeit ist von entscheidender Bedeutung, da selbst geringfügige Gesundheitsprobleme im Weltraum schnell eskalieren können.

Häufige gesundheitliche Herausforderungen in der Schwerelosigkeit

Während schwere Notfälle selten sind, stehen Astronauten vor einer Reihe vorhersehbarer gesundheitlicher Herausforderungen:

  • Hautreizung: Die Umgebung von Raumfahrzeugen ist außergewöhnlich trocken, was zu Hautausschlägen, Überempfindlichkeit und einer beeinträchtigten Wundheilung führt, die 25-mal häufiger auftritt als auf der Erde. Hygiene erfordert begrenzte Feuchttücher und spülfreie Produkte.
  • Verstopfung und Kopfschmerzen: Ohne dass die Schwerkraft Flüssigkeiten nach unten zieht, verlagert sich das Blut in Richtung Kopf, was zu „Weltraumschnupfen“ und Kopfschmerzen führt. Dies kann den Appetit verringern und den Schlaf stören.
  • Schlafstörung: Die ISS umkreist die Erde alle 90 Minuten und setzt Astronauten täglich 16 Sonnenauf- und -untergängen aus, was den Tagesrhythmus erheblich stört. In Kombination mit Lärm und Stress ist Schlafmangel weit verbreitet.
  • Verletzungen des Bewegungsapparates: Trotz Gegenmaßnahmen kommen Verletzungen überraschend häufig vor. Sportliche Betätigung, die Knochen- und Muskelschwund vorbeugen soll, ist mittlerweile für eine erhebliche Anzahl von Zwischenfällen während des Fluges verantwortlich. Astronauten verlieren in der Mikrogravitation monatlich etwa 1 % ihrer Knochendichte, was ein hartes zweistündiges tägliches Training erfordert.
  • Weltraumspezifische Bedingungen: Das Spaceflight Associated Neuro-ocular Syndrome (SANS) betrifft bis zu 70 % der Langzeitastronauten und führt zu Sehstörungen aufgrund von Flüssigkeitsverschiebungen. Bei einem Vorfall im Jahr 2020 wurde ein Blutgerinnsel in der Halsschlagader eines Astronauten entdeckt, das bei einem Forschungsultraschall entdeckt wurde. Das Gerinnsel wurde unter Anleitung von Ärzten auf der Erde über einen Zeitraum von 90 Tagen aus der Ferne behandelt.

Die Entwicklung der Weltraummedizin

Die erste medizinische Evakuierung seit 25 Jahren ist kein Versagen der Weltraummedizin – ganz im Gegenteil. Es zeigt, dass die Sicherheit der Besatzung für die Behörden oberste Priorität hat. Die Forschung verfeinert weiterhin Gegenmaßnahmen, wobei Institutionen wie die Northumbria University Pionierarbeit bei Trainingsinterventionen zur Minderung von Gesundheitsrisiken leisten.

„Der Weltraum bleibt von Natur aus eine Herausforderung für die menschliche Biologie, und manchmal gibt es wirklich keinen Ort wie zu Hause.“

Die schnelle Reaktion bei der Crew-11-Mission bestätigt, wie effektiv die Weltraummedizin vorangekommen ist. Da sich Missionen jedoch immer weiter von der Erde entfernen, werden völlig neue, unabhängige medizinische Fähigkeiten unerlässlich sein. Die Zukunft der Raumfahrt hängt von der Entwicklung erdunabhängiger medizinischer Operationen ab, bei denen möglicherweise KI zur Unterstützung von Ärzten eingesetzt wird.