Die Antarktis dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten 1,4-mal schneller erwärmen als der Rest der südlichen Hemisphäre, was möglicherweise einen extremen Anstieg des Meeresspiegels und verheerende Auswirkungen auf die empfindlichen polaren Ökosysteme auslösen wird. Eine aktuelle Modellstudie weist darauf hin, dass diese antarktische Verstärkung – ein Phänomen, bei dem die Erwärmung im Vergleich zu anderen Regionen schneller auftritt – wahrscheinlich auftritt, wenn die globalen Temperaturen 3,6 °F (2 °C) über dem vorindustriellen Niveau erreichen.
Die Geschwindigkeit des Wandels
Die Welt hat sich bereits um 2 °F (1,1 °C) erwärmt und die Geschwindigkeit neuer Temperaturrekorde beschleunigt sich. Wenn sich die aktuellen Emissionstrends fortsetzen, könnte die 3,6°F-Schwelle bereits im Jahr 2040, spätestens jedoch im Jahr 2050 erreicht werden. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da die Verstärkung der Antarktis aufgrund der Fähigkeit des Südlichen Ozeans, Wärme zu absorbieren, und seiner starken zirkumpolaren Strömungen, die den Kontinent vor der globalen Erwärmung schützen, schwierig zu erkennen war.
Jahrelang schien die Antarktis vor den schlimmsten Auswirkungen steigender globaler Temperaturen geschützt zu sein, doch das ändert sich rasch. Zwischen 2014 und 2016 verlor die Antarktis so viel Meereis wie die Arktis in vier Jahrzehnten. Die Meereisbedeckung bleibt insbesondere in den Wintermonaten außergewöhnlich gering und der Kontinent hat sich nicht erholt.
Der Unterschied zwischen arktischer und antarktischer Erwärmung
In der Arktis ist seit langem eine Verstärkung zu verzeichnen, wobei die Temperaturen in den letzten 50 Jahren etwa viermal schneller angestiegen sind als der globale Durchschnitt. Dies wird hauptsächlich durch das Eis-Albedo-Feedback angetrieben: Schmelzendes Eis legt dunkleres Wasser frei, das mehr Wärme absorbiert, was zu einem weiteren Schmelzen führt.
Die Antarktis verhält sich anders. Seine wirbelnden Meeres- und Windströmungen haben es in der Vergangenheit vor der Erwärmung geschützt. Die Studie zeigt jedoch, dass die Verstärkung der Antarktis vor allem durch die beschleunigte Wärmeabgabe aus dem umgebenden Ozean und nicht durch den Eis-Albedo-Effekt vorangetrieben wird.
Warum das jetzt wichtig ist
Der rasche Rückgang des antarktischen Meereises ist ein deutliches Warnsignal. Wissenschaftler haben bereits katastrophale Brutausfälle bei Kaiserpinguinen aufgrund der Eisschmelze beobachtet, und es wird erwartet, dass sich dieser Trend noch verschlimmert. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Dringlichkeit, die Emissionen einzudämmen, um irreversible Schäden in der Antarktisregion zu vermeiden.
Modellbeschränkungen und zukünftige Unsicherheiten
Während Klimamodelle darauf hindeuten, dass es zu einer Verstärkung in der Antarktis kommen wird, glauben einige Wissenschaftler, dass die Ergebnisse möglicherweise konservativ sind. Modelle haben Schwierigkeiten, die komplexen Wechselwirkungen innerhalb des einzigartigen Klimasystems der Antarktis, insbesondere das Verhalten ihrer zirkumpolaren Strömungen, vollständig zu erfassen. Dies erhöht die Möglichkeit, dass die tatsächliche Erwärmungsrate die aktuellen Prognosen übertreffen könnte.
„Jeder Bruchteil der Erwärmung, den wir vermeiden können, ist wichtig“, sagt Ariaan Purich, Klimatologe an der Monash University. „Wir sehen jetzt abrupte Veränderungen in der Antarktis, und zwar mit sehr hoher Geschwindigkeit.“
Die Ergebnisse der Studie sind eine deutliche Erinnerung daran, dass der Klimawandel bereits Auswirkungen auf die Antarktis hat und die Folgen von Untätigkeit schwerwiegend sein werden. Die anhaltende Erwärmung wird nicht nur den Anstieg des Meeresspiegels beschleunigen, sondern auch das Überleben einzigartiger Polararten und Ökosysteme gefährden.

























